Die Schwarzenbach-Orgel (1599/1601)

Eintauchen in die Klangwelt der Renaissance

Die Schwarzenbach-Orgel (1599/1601) in der Pfarrkirche zum Hl. Petrus (Peterskirche) ist ein einzigartiges Instrument der Südtiroler Orgellandschaft, zumal es sich um die älteste spielbare Kirchenorgel unserer Region handelt. Erbaut wurde dieses Meisterwerk vom Füssener Orgelbaumeister Hans Schwarzenbach (D). Ursprünglicher Bestimmungsort unserer Orgel war die Pfarrkirche von St. Pauls (Eppan). So diente das Instrument in St. Pauls vorerst als Schwalbennest-Orgel. Dem Vertrag zwischen der Pfarre St. Pauls und dem Orgelbauer kann man die – heute teils rekonstruierte – Disposition entnehmen:

„Als anfangs das Principal als das fürnembste Register mit 45 schenen, sauber pollierten Pfeiffen.

Das ander Register, die Copplen, auch mit 45 Pfeiffen und ain Oktav undter das Principal.

Fürs dritte Register ain Oktav yber das Principal, gleichfalls mit 45 Pfeiffen.

Zum Vierten ain Register, das Quint, yber die Oktav mit 61 Pfeiffen.

Das fünft Register, ain Super-Oktav mit 90 Pfeiffen.

Das sechste, ain Zimblwerckh auch mit 90 Pfeiffen.

Zum Sibendten die Posaunen mit 19 Pfeiffen, welliche in das Prust-Positiv (darynnen auch ain schens lieblichs Regal und ain anders Register der Zimblen sein) eingeschlossen werden sollen.

Letstens auch andere Zueregister als das TremulandtVoglgsangHörpauggen, Ventil, Pedal und Manual.“

Schwarzenbachs Orgeln sind seit jeher für ihre solide und robuste Bauweise bekannt. Während ihres „Aufenthaltes“ in Eppan verschlechterte sich der Zustand der neu erbauten Orgel aufgrund von Feuchtigkeit und mangels an Pflege bereits wenige Jahre nach der Erbauung. 1609 wurde die Orgel von der Südwand auf die (neu errichtete) Empore versetzt und hat dabei schon größeren Schaden erlitten, sodass sie 1618 generalüberholt werden musste. 1670 folgten weitere Reparaturen seitens Daniel Herz oder einem seiner Gesellen. Im Jahre 1690 wurde der italienische Orgelbauer Eugenio Casparini mit einem Orgelneubau für die Pfarrkirche von St. Pauls beauftragt und nahm die Schwarzenbach-Orgel als Teil der Zahlung entgegen.

So wurde das Orgelwerk am 17. Mai 1690 in zwei Fuhren von Eppan nach Auer gebracht. Vorerst sollte die Orgel in der Marienkirche (Kirche zur Rosenkranz-Muttergottes) aufgestellt werden, doch sie fand ihren – bis heute unveränderten – Platz in der St. Peterskirche.

Das einzige „überlebende“ Instrument des Orgelbauers Hans Schwarzenbach kann man somit in der Peterskirche in Auer besichtigen, wo wir uns "am silberhellen Klang der Pfeifen und an der lieblichen Resonanz des Stimmwerks" erfreuen dürfen.

Am 18. Juni 1689 wurde der Vertrag zwischen der Pfarrei Auer und dem Görlitzer Orgelbauer Eugenio Casparini unterzeichnet. Demnach hat die Pfarrei Auer für 350 Gulden die Schwarzenbach-Orgel (die einstweilen in St. Michael/Eppan abgestellt war) erstanden. Aus demselben Vertrag geht auch hervor, dass die Orgel für die Marienkirche bestimmt war, wo bereits ein kleines „Werckhl“ (Positiv) stand, welches sich in einem „miserablen“ Zustand befand. Aufgrund ungeklärter Umstände kam es letztendlich aber so, dass Orgelbauer Casparini die Schwarzenbach-Orgel in der Peterskirche aufstellte und die Orgel, die sich dort befand in die Marienkirche brachte (von dieser Orgel fehlt leider jede Spur). Mitunter ein Grund für diese „Umdisponierung“ könnte die Größe der Orgel gewesen sein.

Als die Orgel nach Auer kam besaß sie „8 Register und ainen Sub Bas“. Demnach war die Disposition schon damals nicht mehr die ursprüngliche. Etwa hundert Jahre nach Casparini dürfte der Bozner Orgelbauer Hans Fuchs (Fux) die Orgel restauriert haben (Unterschrift und Datum befinden sich in der Orgel).

Einen größeren Umbau erfuhr die Orgel durch Orgelbauer Karl Mauracher Mitte des 19. Jh. Dabei entfernte er die alten Eisenhebel und setzte Registerknöpfe ein und veränderte die Klaviatur. 1820 und 1824 stimmte Andreas Mauracher – der Sohn des ersteren – die Orgel zweimal nach. 1870 wurde die Orgel unter Josef Sies stark verändert. So tauschte er 47% (von 441 Pfeifen) des Pfeifenbestandes aus. J. Sies verwendete hierbei auch gebrauchte Pfeifen, teils aus eigenem Bestand, teils von Johann Caspar Humpel und Alois Schönach. Von Schwarzenbach selbst waren somit nur mehr 135 Metallpfeifen erhalten (Principal 8': 40; Octav 4': 29; Superoctav 2': 31; Quint: 9; Mixtur: 26 Pfeifen.). 1873 war noch Giovanni Pansieri aus Bergamo (I) am Werk und behob einige größere Mängel. Seitdem sind keine weiteren Arbeiten an der Orgel verrichtet worden und somit fiel das Instrument in einen „Dornröschenschlaf“.

Am 10. Oktober 1979 war es aber soweit und nach mehreren Lokalaugenscheinen wurde die Orgel von der Firma Johann Pirchner aus Steinach am Brenner (A) restauriert und rekonstruiert. Neben zahlreichen Gutachten über das Aussehen der Orgel, wurden folgende Ausführungsanweisungen zur Restaurierung des Orgelinneren festgehalten:

Wiederherstellung der Schwarzenbach-Disposition
Rekonstruktion der Pfeifen nach originalen Mustern
Neubau der Mechanik, unter Verwendung des alten Wellenbrettes und der alten eisernen Mechanik
Restaurierung der originalen Hauptwerkswindladen
Neuanfertigung der Regal- und Posaunenladen
Neuanfertigung nach alten Mustern von Heerpauken, Voglgsang, Tremulant und Sperrventil

Am 30. Oktober 1982 wurden alle Teile nach Steinach gebracht und dort restauriert, erweitert oder neu angefertigt. Ein weiteres Problem stellte die Frage nach der Stimmung. Experten wie Prof. Reinhard Jaud (Innsbruck/A) und Harald Vogel (D) wurden befragt. So ist die Orgel um einen halben Ton tiefer (a1 415 hz) und zugleich eines der wenigen Instrumente das auch heute noch mitteltönig gestimmt ist.


Disposition

Manual (Hauptwerk) CFDGEA-c³, 45 Tasten

 

Copplen 16' (45 Pfeifen)

Principal 8' (45 Pfeifen - Prospekt)

Octav 4' (45 Pfeifen)

Quint 3' (Discant ab a doppelt)

Supperoctav 2' (90 Pfeifen)

Zimbl II (i. e. 2fach; 90 Pfeifen)

Regal 8' (45 Pfeifen)

Zimblen (45 Pfeifen) – nur in Kombination mit Regal 8'

(als Brustpositiv verbaut)

 

Pedal

CFDGEA-b, 19 Tasten (b anstelle von a)

Posaunen 8' (19 Pfeifen)

 

Spielhilfen

Ventil-Pedal (i. e. Pedalkoppel: Man-P)

Voglgsang (i. e. Vogelgesang)

Hörpauggn (i. e. Heerpauken)

Tremulandt im Hauptkanal (für gesamtes Orgelwerk)